4.1 EINWEISUNGSFLÜGE

  • Rettungsfallschirm
  • Gewicht im vorderen Sitz
  • Instrumente
  • Wirkung der Luftbremsen
  • Start, Flug und Landung

 

 

RETTUNGSFALLSCHIRM

Segelflieger fliegen aus Sicherheitsgründen immer mit einem Rettungsfallschirm. Das Anlegen des Fallschirms wird geübt. Man unterscheidet zwischen automatischer und manueller Auslösung.

Im Notfall ist folgende Reihenfolge der Handgriffe einzuhalten:

  • Haubennotabwurf (rot) betätigen und Haube abwerfen
  • Anschnallgurte am Zentralverschluss lösen Achtung: nicht versehentlich einen Gurt des Fallschirms lösen!
  • Flugzeug verlassen, ggf. über die Bordwand herausrollen
  • der automatische Schirm öffnet nach dem Verlassen selbstständig, beim manuellen Schirm den Auslösegriff ziehen
  • keine Zeit verlieren!

Der Fallschirm ist ein Rettungsgerät und deshalb schonend zu behandeln!

 
MASSE UND SCHWERPUNKT

Im Doppelsitzer bestimmt hauptsächlich das Gewicht im vorderen Sitz die Lage des Schwerpunktes. Der Schwerpunkt muss für einen sicheren Flug innerhalb der zulässigen Grenzen liegen. 

 
Wenn du einen Löffel auf dem Rand eines Tellers balancieren lässt, dann liegt der Schwerpunkt des Löffels am Tellerrand. Wenn du nun etwas in den Löffel füllst, dann musst du den Löffel verschieben, um ihn wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sein Schwerpunkt hat sich durch die „Zuladung“ verändert.
 
 
 
Steht ein Doppelsitzer leer am Boden, dann steht er auf dem Hauptrad und dem Spornrad. Der Schwerpunkt befindet sich kurz hinter dem Hauptrad. Setzt sich nun jemand in den vorderen Sitz, senkt sich das Flugzeug auf das Bugrad. Jetzt liegt der Schwerpunkt kurz vor dem Hauptrad. Je schwerer der Pilot ist, desto weiter vorn liegt der Schwerpunkt.
 
 

Der Schwerpunkt muss sich innerhalb bestimmter Grenzen befinden. Darum gibt es ein Minimum- und Maximum-Gewicht für den Piloten im vorderen Sitz. Der Fluglehrer oder der Pilot im hinteren Sitz sitzt ungefähr im Schwerpunkt und sein Gewicht ist für die Steuerung des Flugzeugs weniger wichtig. Das maximale Gewicht des Flugzeuges im Flug (höchstzulässiges Fluggewicht) einschließlich der Insassen darf aber nicht überschritten werden. Bist du für den vorderen Sitz zu leicht (meistens 70 kg Mindestzuladung), ergänzt du dein Gewicht mit Trimm- gewichten (meist aus Blei). Bist du zu schwer (in manchen Segelflugzeugen mehr als 110 kg), dann bleibt dir nichts anderes übrig, als erst mal abzunehmen.

VERGISS NIEMALS DEIN TRIMMGEWICHT!

Das ist für einen sicheren Flug sehr wichtig. Nach deinem Flug baust du das Trimmgewicht wieder aus.
Im Flughandbuch und im Flugzeug gibt es einen Beladeplan, der alle Gewichtsangaben für das Flugzeug beschreibt.
Der Fluglehrer erklärt dir, wie du die ggf. erforderlichen Trimmgewichte im Flugzeug befestigst. Beim nächsten Flug kannst du es selbst machen.

EINSTEIGEN
Der Fluglehrer hilft dir zuerst einmal beim Einsteigen. Du sitzt vorne und der Fluglehrer hinten. Wichtig ist, dass du entspannt und bequem sitzt, mit guter Sicht nach vorne. Probiere mal aus, wie du am angenehmsten sitzt und nimm ggf. auch ein festes Kissen. Kleinere Piloten können mit einer Sitzschale im Rücken die beste Sitzposition erreichen. Während des Fluges ist es erforderlich, dass du alle Bedienhebel sicher erreichst und alle Instrumente einstellen kannst.
Den Steuerknüppel bewegen wir mit der rechten Hand. Linkshänder müssen lernen, mit der rechten Hand zu steuern, denn bei der Landung werden die Luftbremsen mit links bedient. Prüfe, ob die Pedale auf die richtige Länge deiner Beine eingestellt sind. Voll getreten, müssen die Knie etwas gebogen bleiben, denn mit gestreckten Beinen kannst du das Seitenruder blockieren.
Du fliegst immer angeschnallt. Erst ziehst du die Beckengurte fest, dann die Schultergurte.
Gutes Fliegen beginnt mit gutem Sitzen.

 
DER WINDENSTART
Der Windenstart läuft so ab: Wenn das Windenseil eingeklinkt und straff gezogen ist, beschleunigt das Flugzeug sehr schnell vom Stand auf ca. 100 km/h.
 
 
Nach dem Abheben wird der anfangs flache Steigflug kontinuierlich steiler bis zum Erreichen der normalen Steigfluglage. Schaue vom ersten Start an so viel wie möglich nach draußen. Im oberen Drittel des Schleppvorganges ist der Steigflug kontinuierlich bis in die Normfluglage zu verringern. Nach automatischem oder manuellem Ausklinken wird die Ausklinkvorrichtung dreimal zügig betätigt. Danach fliegst du frei vom Seil.
Eine Bemerkung noch: Im Moment des Nachdrückens wird die Schwerkraft auf deinen Körper etwas geringer. Das erzeugt kurzzeitig ein ungewohntes Gefühl im Magen, ist aber völlig normal. Nach einigen Flügen gewöhnst du dich daran, und wirst es gar nicht mehr spüren.

KOMMUNIKATION MIT DEM WINDENFAHRER
Wird zu langsam oder zu schnell geschleppt, informiert der Pilot oder der Fluglehrer den Windenfahrer per Funk.
 
STARTUNTERBRECHUNG
Bei einer Startunterbrechung (z.B. einem Seilriss)  bringt der Fluglehrer das Segelflugzeug in die Normalfluglage und steuert mit Landeanfluggeschwindigkeit weiter. Um sicher zu gehen, dass kein Reststück des Seils anhängt, wird dreimal nachgeklinkt. Aus niedriger Höhe wird geradeaus vor der Winde gelandet. Seid ihr schon etwas höher und könnt nicht mehr vor der Winde landen, fliegt der Fluglehrer beispielsweise eine verkürzte Platzrunde und landet.
Er teilt den Flug so ein, dass eine sichere Landung möglich ist. Die Startunterbrechung wird so oft geübt, bis du selbst die richtigen Entscheidungen triffst und sicher landen kannst.
 
 
 
IM FREIEN FLUG

Während des Fluges erklärt der Fluglehrer, was er gerade macht.
Wenn die Geräusche um dich herum leiser werden oder wenn du Druck in den Ohren fühlst, dann musst du ein paarmal schlucken. Beim Steigen nimmt der Luftdruck ab, während im Innenohr noch der Bodendruck herrscht. Durch das Schlucken gleicht sich der Druck aus. Natürlich wird beim ersten Flug sehr ruhig geflogen. Steilkurven machen wir erst später.

LUFTBREMSEN
Der Fluglehrer zeigt dir, wie die Luftbremsen funktionieren. Im Normalflug sinkt ein Segelflugzeug nur sehr wenig. Nach der Landekurve bist du vor dem Landefeld noch ca. 100m hoch. Damit könntest du noch einige Kilometer weit fliegen, bevor du am Boden bist. Mit den Luftbremsen wird der Widerstand vergrößert und du sinkst schneller. So kannst du genau dort landen, wo du es willst.

 
LANDUNG
Während der Landung fliegst du auf das Ziellandefeld zu. Ein paar Meter über dem Boden beginnst du mit dem Abfangbogen und fliegst dann parallel zum Boden. Mit abnehmender Fahrt wird das Flugzeug sanft auf Sporn- und Hauptrad aufgesetzt. Bei Bedarf kannst du mit der Radbremse den Rollweg verkürzen. 
 
 
1  Gleitpfad ohne Luftbremsen.        2  Gleitpfad mit Luftbremsen (Klick auf das Bild für ein größeres Bild)

Vielleicht denkst du, womit habe ich bloß angefangen? Aber du gewöhnst dich schnell daran und bald fühlst du dich im Flugzeug wie zuhause. Nach einigen Flügen machst du schon viele Dinge selbstständig.