5.7  Spiralsturz

      Spiral dive

Beim Trudeln ist die Strömung an Flügeln und Höhenleitwerk zum größten Teil abgelöst. Im Spiralsturz (das ist die entwickelte Steilspirale, siehe Kap. 5.3) liegt die Strömung an. Die Geschwindigkeit ist wesentlich größer als beim Trudeln.

In den Spiralsturz gerätst du, wenn du beim Einleiten einer Kurve den Knüppel nicht genügend ziehst und die Nase darum nicht am Horizont bleibt.

5 7 0Abb. 5.7.0  Segelflugzeug in der Steilspirale

Eigentlich solltest du in einer Steilkurve durch Ziehen am Knüppel die Geschwindigkeit halten. Dazu führst du die Nase mit dem Knüppel am Horizont entlang, sodass die Geschwindigkeit konstant bleibt. Versäumst du das, dann wird die Geschwindigkeit immer größer, der Kreisradius immer kleiner und das Lastvielfache steigt immer weiter an. Du bist in der Steilspirale.

Wenn du nun nichts unternimmst, gerätst du immer mehr in den Spiralsturz und überschreitest schnell die Betriebsgrenzen deines Segelflugzeugs. 

5 7 1

Abb. 5.7.1  Entwicklung der Steilspirale aus einer Steilkurve

Beenden des Spiralsturzes

  • Kurve beenden mit Seiten- und Querruder
  • kontrolliert abfangen, ohne das zulässige Lastvielfache zu überschreiten

5 7 2

Abb. 5.7.2  Querneigung und Lastvielfaches

In Abb. 5.7.2 siehst du, dass bei 60° Querneigung ein Lastvielfaches von 2 auftritt, die gesamte Massenkraft FM also dem doppelten Gewicht G entspricht. Bei mehr als 60° nimmt das Lastvielfache sehr schnell zu.

5 7 3Abb. 5.7.3  Abhängigkeit des Lastvielfachen von der Querneigung

Bei etwa 80° Querneigung fliegst du mit einem Lastvielfachen von n = 5. Diese Belastung ist deutlich zu spüren. Die Bedienung der Seitenruderpedale macht noch keine Schwierigkeiten, aber das Anheben eines Fußes oder einer Hand ist schon schwer. Ein unkontrolliertes Ziehen am Steuerknüppel führt zur Überlastung des Flugzeugs. Bei einer Steilspirale sollte daher erst die Drehung beendet und dann das Flugzeug aus dem Sturzflug abgefangen werden.

5 7 4

Abb. 5.7.4  Auftriebsverteilung über der Spannweite

In Abschnitt 5.5 Betriebsgrenzen hast du gelernt, dass Segelflugzeuge für ein Lastvielfaches von mindestens 5,3 ausgelegt sind.

5 7 5

Abb. 5.7.5  Auftriebsverteilung über der Spannweite bei ausgefahrenen Luftbremsen (Bremsklappen)

Bei vielen Segelflugzeugen steht im Flughandbuch, dass dies nicht für das Fliegen mit ausgefahrenen Luftbremsen (Bremsklappen) gilt. Das zulässige Lastvielfache beträgt dann nur 3,5. Dies liegt daran, dass die Auftriebsverteilung über der Spannweite gestört ist. Bei ausgefahrenen Luftbremsen bricht der Auftrieb in diesem Bereich zusammen. In einer Steilspirale mit ausgefahrenen Luftbremsen könnte das zulässige Lastvielfache von 3,5 leicht überschritten werden. 

Durch ausgiebiges Üben von Abkippen, Trudeln und Steilspirale mit deinem Fluglehrer lässt es sich verhindern, dass du davon überrascht wirst. Wenn du gelernt hast, die ersten Anzeichen richtig zu interpretieren, bist du in der Lage, auf solche ungewöhnlichen Fluglagen quasi automatisch richtig zu reagieren.