6.2.3  Eigenstart und Turbo

„Motorsegler“ sind Segelflugzeuge, die mit einem oder mehreren Triebwerken ausgerüstet sind und bei abgestellten Triebwerken die Eigenschaften eines Segelflugzeugs aufweisen. Diese Triebwerke oder die Propeller sind in der Regel einzufahren oder einzuklappen.

Davon zu unterscheiden sind „Reisemotorsegler“ (Touring Motor Glider, TMG); TMG bezeichnet eine bestimmte

Klasse von Motorseglern mit einem fest montierten, nicht einziehbaren Triebwerk und einem nicht versenkbaren Propeller. Ein TMG muss gemäß dem Flughandbuch aus eigener Kraft starten und steigen können.

Ein Eigenstart fähiger Motorsegler ist mit einem Motor ausgestattet, der ausreichend Leistung zur Verfügung stellt, um das Segelflugzeug selbstständig mit einer ausreichenden Steigrate starten zu lassen. Der Eigenstarter startet wie ein Reisemotorsegler, aber in einer gewünschten Höhe, z.B. 500 Meter, kann der Motor abgestellt und der Propeller oder Motor eingefahren werden und der Motorsegler fliegt weiter wie ein normales Segelflugzeug. Dieser Typ Motorsegler wird auch „Eigenstarter“ genannt.

Neben dem Eigenstarter gibt es sogenannte Turbos.

Eigenstarter

Besitzer eines Eigenstarters sind nicht auf einen Windenschlepp oder einen Flugzeugschlepp angewiesen. Sie können ohne fremde Hilfe starten. Der Motor kann eine Außenlandung verhindern, so dass das Zurückholen ebenfalls nicht notwendig ist. Ein Segelflieger mit einem Eigenstarter kann zudem zum günstigsten Zeitpunkt starten und muss nicht warten, bis er an der Winde oder im F-Schlepp an der Reihe ist. Mit dem Eigenstart kann die erste Thermik des Tages genutzt werden. Dort beginnt dann der Überlandflug. Am Ende des Tages kann der Motor benutzt werden, um zum Heimatflugplatz zurückzufliegen. Auf diese Weise sind auch längere Überlandflüge möglich.

Turbos (Heimweghilfe)

Turbos sind Motorsegler mit einem weniger starken Motor, mit dem ein Eigenstart nicht möglich ist. Der Motor ist einfacher und nur geeignet, um mit dem Motorsegler z.B. nach Thermikende zum Heimatflugplatz zurückzufliegen oder zu einem Thermikbart zu fliegen, der ohne Motorhilfe nicht erreichbar ist. Bei einem Turbo kann nach dem Windenstart der Motor ausgefahren werden und zum ersten Thermikbart zu fliegen. Dort kann der Motor dann wieder eingefahren werden und der Segelflug (Streckenflug) beginnen. Ein F-Schlepp zum ersten Thermikbart ist somit nicht mehr notwendig.

Abb. 6.2.4 1 EigenstarterAbb. 6.2.3:1  Eigenstarter

Der Zweitaktmotor

Die meisten Eigenstarter und Flugzeuge mit einer Heimweghilfe haben einen Zweitaktmotor. Ein Zweitaktmotor kann höhere Leistung erzeugen als ein gleich schwerer Viertaktmotor. Ein Zweitaktmotor ist ein Kolbenmotor, der bei jedem Abwärtshub Arbeit verrichtet. Ein solcher Motor verwendet Schmiermittel (eine Mischung aus Benzin und ein paar Prozent Öl), um den Motor zu schmieren.

Der Motor arbeitet am besten bei einer hohen Drehzahl. Ein solcher Motor wird in der Regel nicht verwendet, um lange Strecken in der gleichen Höhe zu fliegen. Er ist weniger geeignet für lange Strecken an einem Stück. In der Regel wird die Sägezahnmethode verwendet. Der Motor bringt dann das Segelflugzeug mit der optimalen Fluggeschwindigkeit (beste Steigrate) auf eine bestimmte Höhe, dort wird der Motor abgestellt und eingefahren und das Segelflugzeug macht einen langen Gleitflug. Dann wird der Motor rechtzeitig wieder ausgefahren und das Segelflugzeug steigt wieder auf eine bestimmte Höhe, bis der Heimatflugplatz erreicht werden kann.

Bei den meisten Motorseglern wird der Propeller durch einen Elektromotor aus dem Rumpf ausgefahren und nach dem Start wieder eingefahren. Der ausgefahrene Motor mit seinem Propeller ist in der Regel nicht für Touch-and-Go's und Landungen auf unebenem Gelände konstruiert. Deshalb wird das Triebwerk vor der Landung eingefahren und der Eigenstarter oder Turbo landet wie ein Segelflugzeug ohne Motor.

Abb. 6.2.4 2 2 Takt Motor

Abb. 6.2.3.2  2-Takt-Motor

 

Abb. 6.2.4 3 MotorüberwachungsinstrumentAbb. 6.2.3.3  Motorüberwachungsinstrument

Der Motor wird entsprechend der Bedienungsanleitung im Handbuch des Flugzeugs ein- und ausgefahren. Bei dem Segelflugzeug mit Heimweghilfe (Turbo) auf diesem Bild geschieht das fast alles automatisch. Im Flug wird durch Betätigen eines Schalters der Motor aus dem Rumpf ausgefahren. Wenn der Motor vollständig ausgefahren ist, wird dies durch ein grünes Dauerlicht angezeigt und im Display erscheint das Wort deko. Durch kurzes Ziehen des Dekompressionshebels (der deko) beginnt sich der Propeller aufgrund des Windmühleneffekts zu drehen. Wenn du den Dekompressionshebel loslässt, springt der Motor an. Noch einfacher ist es, den Motor abzuschalten. Der Schalter wird umgelegt, der Motor bleibt automatisch stehen und wird ebenso automatisch eingefahren. Beachte, dass dies nur ein kurzes Beispiel eines bestimmten Prozedere für einen bestimmten Turbo-Motortyp ist. Es gibt auch bei Turbos unterschiedliche Vorgehensweisen; bei Eigenstartern ist die Bedienung grundsätzlich anders! Jeder Motorsegler hat im Flug- und Betriebshandbuch ein eigenes Kapitel zur Motorbedienung, insbesondere zum Anlassen und Abstellen des eingebauten Motors, Lass dich zudem von einem auf dem Flugzeugtyp erfahrenen Piloten einweisen und die Motorbedienung erklären.

Segelflugausbildung mit einem Eigenstarter

Die Segelflugausbildung wird in der Regel über die Winden- oder F-Schleppstartmethode durchgeführt. Erst dann wird auf die Startart Eigenstart umgeschult.

Abb. 6.2.4 4 Motorsegler im FlugAbb. 6.2.3.4  Motorsegler im Flug

Einige eigenstartfähige doppelsitzige Schulflugzeuge, wie z.B. die ASK-21Mi, sind geeignet, um die Eigenstartmethode von Beginn der Segelflugausbildung an anzuwenden. Die Ausbildung zur Startart Eigenstart entspricht der Ausbildung im Reisemotorsegler in Bezug auf den Start, die Landung erfolgt im Segelflug. Allerdings müssen die besonderen Eigenschaften eines Eigenstarters berücksichtigt werden:

  • Aufgrund des Gewichts eines Motors und des Kraftstoffs erhöht sich die Überziehgeschwindigkeit. Es muss also, wie beim Fliegen mit Wasserballast, mit höheren Geschwindigkeiten geflogen werden.
  • Da der Propeller in der Nähe des Schwerpunktes über den Rumpf hinausragt, hat das Segelflugzeug bei laufendem Motor ein Kippmoment.
  • Ein Motor, der nicht starten will, verursacht eine Menge Widerstand. Die Gleitzahl kann von 40 auf 15 sinken.
  • Der Landeflug mit ausgefahrenem Motor sollte deutlich über 200m beginnen und das Horizontbild und die Geschwindigkeit sollten genau überwacht werden.
  • Die Geräusche und Vibrationen des Motors führen dazu, dass die Warnsignale eines nahenden Strömungsabrisses nicht ohne weiteres zu erkennen sind.
  • Nicht jeder Eigenstarter hat den gleichen Motortyp und die gleichen Bedienelemente, daher muss das Handbuch und insbesondere das Kapitel über den Eigenstart sorgfältig studiert werden.
  • Studiere insbesondere den Abschnitt über Gewicht und Schwerpunkt. Mit dem Motor hinter dem Schwerpunkt hast du oft ein viel höheres Mindestgewicht für den Piloten. In normalen Segelflugzeugen musstest du vielleicht nie Trimmgewicht (Blei) mitnehmen, aber bei einem Selbststarter oder bei einem Turbo kann es erforderlich werden

Studiere den Wägebericht. Beim Kauf eines neuen Flugzeugs ist es ratsam, einen neuen Wägebericht selbst anzufertigen (oder anfertigen zu lassen) und zu prüfen, ob die Aufkleber im Cockpit mit den Angaben zu Mindest- und Höchstgewicht korrekt sind.

Abb. 6.2.4 5 Motorsegler im StartAbb. 6.2.3.5  Motorsegler im Start

Vor dem Start:

  1. Ausfahren des Motors,
  2. Kontrollen vor dem Start,
  3. Motor starten,
  4. Rollen

Der Start:

  1. am Boden rollen,
  2. starten und auf eine sichere Höhe steigen,
  3. Start mit Seitenwind,
  4. Motor abkühlen lassen und einfahren,
  5. Reiseflug und Sägezahnfliegen.

Vor der Landung:

  1. Einfahren des Motors vor der Landung,
  2. Notfallverfahren und Außenlandung.

Handbuch Eigenstarter

Das Handbuch eines Eigenstarters ist viel umfangreicher als das eines Segelflugzeugs ohne Motor. Lese es also gründlich und regelmäßig, bis du alle Abläufe, Angaben zu Drehzahlen und Motortemperatur, korrekte Drehzahlen usw. kennst. Du musst den Inhalt des Handbuchs kennen. Im Handbuch des Eigenstarters ist die Vorgehensweise zum Ausfahren, Starten, Abstellen und Einfahren des Motors ausführlich beschrieben. Dort findest du auch die Checklisten.

Hier als Beispiel die Bedienungsanweisung des Triebwerks und die Verfahren für den Eigenstart der ASK 21 Mi.

Abb. 6.2.4 6 ASK 21 MI Bedienung des Triebwerkes und EigenstartAbb. 2.3.6  Bedienungsanweisung des Triebwerks

Viele Segelflieger verwenden das Handbuch, um ihre eigene Checkliste zu erstellen. Eine gute Checkliste ist sehr wichtig. Es ist schon einige Male vorgekommen, dass der Motor bei einem Flug nicht ansprang, nicht weil der Motor nicht funktionierte, sondern weil die Verfahren nicht richtig durchgeführt wurden.

Wenn du einen neuen Eigenstarter-Typ zum ersten Mal fliegst, ist es ratsam, ein paar Starts mit eingefahrenem Motor an der Winde oder per F-Schlepp zu machen. Für spätere Flüge kann der Motor in der Luft gestartet werden. Mache dies ein paar Mal und falls das Flughandbuch dies nicht untersagt lande auch mit ausgefahrenem Motor, um zu erleben, wie sich die Gleitzahl verringert. Zum Schluss wird der Eigenstart geübt.

Die Vorbereitungen eines Eigenstarts nehmen viel mehr Zeit in Anspruch als ein Winden- oder F-Schleppstart eines Segelflugzeugs ohne Motor.

Denke vor dem Einsteigen an die folgenden Dinge:

  • Temperatur und Höhe des Flugplatzes über NN
  • Pistenbelag: Grasbahn oder befestigte Piste
  • Verhalten bei Motorausfall während des Starts

Temperatur und Höhe des Flugplatzes über NN

Unter normalen Bedingungen hebt ein Eigenstarter schnell vom Boden ab und steigt schnell. In größeren Höhen und bei warmem Wetter liefert der Motor deutlich weniger Leistung. Du brauchst eine viel längere Startbahn. Im Flughandbuch steht die erforderliche Startbahnlänge bei verschiedenen Temperaturen oder Flugplatzhöhen über dem Meeresspiegel. Lies nach, was du laut Handbuch erwarten musst. Berücksichtige die Angaben aus dem Handbuch, nutze möglichst die gesamte Pistenlänge. Wenn du unsicher bist, mache ggf. einen F-Schlepp oder Windenstart oder starte von einem anderen Flugplatz.

Grasbahn oder befestigte Piste

Ein Start von einer befestigten Piste macht einen großen Unterschied im Vergleich zu einem Start von einer Grasbahn. Das Rollen auf einer Graspiste ist schwieriger. Besonders bei einer weichen Oberfläche oder wenn das Gras höher ist. Es wird viel mehr Motorleistung benötigt, um zu rollen. Ein Schlagloch kann dazu führen, dass der Motor die Rumpfnase gegen den Boden drückt. Das Rollen am Boden dauert viel länger, also braucht man eine viel längere Startbahn. Bei starkem Seitenwind kann es vorkommen, dass sich die Nase unmittelbar nach dem Start oder bereits schon während des Rollens deutlich in den Wind dreht (Windfahneneffekt), da der Seitenwind auf dein Seitenleitwerk wirkt. Diesen Effekt musst du entgegenwirken, indem du das Seitenruder in entgegengesetzter Richtung trittst. Auf einer befestigten Piste erfolgt der Start bei Seitenwind oft mit dem abgelegten Flügel auf der windabgewandten (Lee-) Seite. Der Widerstand des Flügels beim Rollen auf der Leeseite kompensiert den Windfahneneffekt etwas. Bei einem Start auf einer Grasbahn mit Seitenwind und weichem Boden verursacht der abgelegte Flügel dagegen sehr viel Widerstand. Die Nase will sich vom Wind in Richtung Lee wegdrehen. In diesem Fall hältst du den Steuerknüppel ganz gezogen, um das Spornrad fest am Boden zu halten, und gleichzeitig trittst du das Seitenruderpedal voll in Richtung der Luvseite. Ebenso hältst du das Querruder auch voll auf der Windseite (Luvseite), um den abgelegten Flügel so schnell wie möglich mit ausreichender Geschwindigkeit vom Boden zu bekommen. In dem Moment, in dem der Flügel vom Boden abhebt, kann folgendes passieren. Da der Widerstand des Bodens weg ist, dreht die Flugzeugnase zur Luvseite, weil zum einem das Seitenruder voll ausgeschlagen ist und zum anderen aufgrund des Windfahneneffekts. Auf einer Grasbahn kann es deswegen sinnvoll sein, bei Seitenwind den Flügel auf der Luvseite abzulegen. Du kannst auch einen Helfer bitten, so lange wie möglich mitzulaufen, und manchmal ist es in einem solchen Fall klüger, einen F-Schlepp- oder Windenstart zu machen.

Verhalten bei Motorausfall während des Starts

Überlege dir vor dem Start die Mindesthöhe, die du benötigst, um mit abgestelltem aber ausgefahrenem Motor zum Flugplatz zurückzufliegen. Ein Eigenstarter mit ausgefahrenem Motor erzeugt viel Widerstand und hat eine hohe Sinkrate. Die Mindesthöhe für eine Umkehrkurve ist für jeden Eigenstarter-Typ unterschiedlich. 

Überlege vor dem Start, was du tun wirst, wenn der Motor in 25, 50 oder 75 m Höhe stehen bleibt. Ist die Startbahn lang genug, um geradeaus zu landen? Ist es möglich, in der Verlängerung der Startbahn zu landen? Wo gibt es alternative Landemöglichkeiten (auch Außenlandefelder)? Bei einem F-Schleppstart gilt in der Regel: Unterhalb von 100 Metern landest du geradeaus auf einem Feld oder einer Wiese und darüber überlegst du, ob eine Umkehrkurve zum Flugplatz und eine Landung dort möglich ist. Dagegen benötigt ein Eigenstarter mit ausgefahrenem Motor je nach Flugzeugtyp viel mehr Höhe, um eine Umkehrkurve zu fliegen. Definiere für dich vor dem Start die minimale Höhe für eine Umkehrkurve.

Starten des Motors

Vergewissere dich vor dem Starten des Motors, dass der Rettungswagen mit Feuerlöschern einsatzbereit ist und sich keine Personen vor oder in der Nähe des Flugzeugs aufhalten. Wenn der Motor läuft, lasse ihn vor dem Rollen oder Starten warmlaufen. Möglicherweise befindet sich eine Luftblase im Kraftstoffbereich, wodurch der Motor zunächst unregelmäßig läuft und noch nicht die volle Leistung bringt. 

Abb. 6.2.4 7 Rollen am BodenAbb. 6.2.3.7  Rollen am Boden

Eigenstarter haben in der Regel ein Rad an der Flügelspitze. Du kannst dann das Rollen mit abgelegter Fläche auf dem Boden beginnen. Sobald das Segelflugzeug genügend Geschwindigkeit hat, werden die Flügel horizontal genommen. Solange der Flügel noch am Boden liegt, gibst du volles Gegenquerruder, bis sich der Flügel anhebt. Ähnlich wie beim Winden- und F-Schleppstart gibst du am Anfang volle Ruderausschläge. Sobald die Geschwindigkeit zunimmt, kannst du kleinere Ausschläge zur Korrektur geben.

Eigenstarter mit Bugrad werden mit voll gezogenem Steuerknüppel gestartet, um das Bugrad so schnell wie möglich vom Boden zu nehmen und auf dem Hauptrad zu rollen. Mit dem Hauptrad kannst du die Startrichtung besser steuern. Sobald das Bugrad abgehoben hat, wird der Steuerknüppel nach vorne bewegt, da das Segelflugzeug bei zu geringer Geschwindigkeit nicht abgehoben werden kann. Das Handbuch gibt die empfohlene Abhebegeschwindigkeit, mit der das Segelflugzeug steigen soll. Bei dieser Geschwindigkeit kann das Segelflugzeug abgehoben werden und der Steigflug begonnen werden.

Bei Eigenstartern ohne Bugrad, also mit dem Schwerpunkt hinter dem Hauptrad, wird der Knüppel nach hinten gezogen, bis der abgelegte Flügel vom Boden frei kommt und waagerecht gehalten werden kann. Dann wird der Knüppel nach vorne bewegt, so dass das Spornrad vom Boden abhebt. Dann wird solange auf dem Hauptrad gerollt, bis das Segelflugzeug genug Geschwindigkeit hat, um abheben zu können.

Abb. 6.2.4 7 Abheben und Steigen auf eine sichere HöheAbb. 6.2.3.8  Abheben und Steigen auf eine sichere Höhe

In einer Höhe von ca. 150 Metern müssen die meisten Eigenstarter einige Verfahren durchführen, wie z. B. leichtes Zurücknehmen des Gashebels. Das Fahrwerk fahren viele Piloten erst in der Höhe ein, in der sie den Motor abstellen, so dass sie im Falle eines Motorausfalls in niedriger Höhe nicht noch zusätzlich auf das eingefahrene Fahrwerk achten müssen.

Wähle während des Steigfluges auf eine sichere Höhe eine geeignete Route, so dass du im Falle eines Motorausfalls leicht zum Flugplatz zurückgleiten kannst. Wähle vorzugsweise eine Route gegen den Wind, so bleibt die Entfernung zum Flugplatz kleiner, was im Falle eines Motorausfalls von Vorteil ist. Achte zudem darauf, bebaute Gebiete sofern möglich zu meiden (Lärmvermeidung am Boden).

Abb. 6.2Abb. 6.2.3.9  Abkühlung und Einfahren des Motors

Wenn der Eigenstarter eine ausreichende Flughöhe erreicht hat, wird das Verfahren zum Einfahren des Motors durchgeführt. Auch dies geschieht gemäß der Checkliste im Handbuch.

Bei den meisten Flugzeugen muss der Motor bei niedriger Drehzahl abgekühlt werden. Nach der Abkühlung wird die Zündung ausgeschaltet. Der Propeller dreht sich aber aufgrund des Windmühleneffekts weiter.

Wenn der Propeller senkrecht steht, aktivierst du die Propellerbremse und der abgekühlte Motor kann eingefahren werden. So schnell wie möglich nach dem Start in einem Thermikbart mit eingeschaltetem Motor zu steigen, ist natürlich wichtig, aber das Verfahren zum Abstellen des Motors lässt dich weniger auf Thermikfliegen und Luftraumbeobachtung achten. Wähle dafür also keinen Thermikbart, in der sich bereits mehrere Segelflugzeuge befinden.

Notfallmaßnahmen

  1. Wenn du feststellst, dass der Eigenstarter nicht richtig steigt, prüfst du zunächst, ob die Bremsklappen ausgefahren sind.
  1. Wenn die Motorleistung nach dem Abheben zu Beginn des Starts nicht ausreicht, senkst du durch vorsichtiges drücken des Steuerknüppels die Flugzeugnase, so dass du die richtige Landegeschwindigkeit hast. Nimm den Gashebel zurück und lande mit ausgefahrenem Motor geradeaus auf der Bahn.
  1. Wenn du dich unterhalb deiner von dir vor dem Start festgelegten Mindestumkehrhöhe befindest und keine ausreichende Landemöglichkeit auf dem Flugplatz vor dir hast, ist eine Geradeauslandung auf einem Feld oder einer Wiese in der Regel sicherer. Eine Rückkehr zum Flugplatz mit einer Umkehrkurve mit dem ausgefahrenen Triebwerk ohne Motorleistung solltest du nur in ausreichend großer Höhe in Erwägung ziehen.
  1. Bei der Landung mit ausgefahrenem aber stehendem Motor (keine Motorleistung) sollte die Landegeschwindigkeit ausreichend erhöht werden. Das Flughandbuch enthält in der Regel nähere Angaben dazu. Der Gleitwinkel ist viel schlechter als mit eingefahrenem Motor. Wenn du vor der Landung Zeit hast, schließt du den Kraftstoffhahn, schaltest die Zündung aus und stoppst den Propeller. Ein rotierender Propeller verursacht mehr Luftwiderstand als ein stehender. Wenn du zusätzlich noch mehr Zeit übrig hast, fährst du den Motor soweit als möglich ein. Aber beachte, dass dem Fliegen mit der richtigen Geschwindigkeit viel mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss als dem Einfahren des Motors. Das Einhalten der richtigen Geschwindigkeit ist schließlich überlebenswichtig. Wenn du zu langsam fliegst, besteht die Gefahr des Abkippens und des Trudelns.
  1. Bei einem Motorbrand in der Luft gehst du gemäß der Checkliste vor. Es gibt eine Abfolge von Maßnahmen, die von der Art und Beschaffenheit des Brandes abhängen. Dazu gehört auf jeden Fall: Kraftstoffhahn schließen, Vollgas bis zum Stillstand des Motors geben und so schnell wie möglich landen.

Starten des Motors in der Luft

Eigenstarter und auch einige Segelflugzeuge mit Heimweghilfe (Turbos) haben einen Anlasser. Das Flughandbuch beschreibt das Verfahren zum Anlassen des Motors. Dieser Startvorgang sollte so oft geübt werden, dass er ohne Checkliste durchgeführt werden kann.

Abb. 6.2.4 9 TurboAbb. 6.2.3.10  Turbo

Viele Turbos beginnen den Start des Motors mit dem Andrücken (Fahrt aufholen). Beim Andrücken wird der Propeller durch den Windmühleneffekt gestartet, was etwa 60 bis 80 m Höhe kostet. Ein solcher Motor sollte daher oberhalb von 300 Metern gestartet werden. Wenn du wenig Erfahrung hast, wählst du eine größere Höhe.

Die meisten Eigenstarter und Turbos haben einen einfahrbaren Kolbenmotor, aber es gibt auch Jet-Segelflugzeuge mit Turbine und auch Turbos und Eigenstarter mit Elektroantrieb.

Abb. 6.2.4 10 Discus 2c FES Abb. 6.2.3.11  Discus 2c FES

Der oben abgebildete Discus 2c FES hat einen Elektromotor in der Flugzeugnase. Beim Start musst du nur einen Schalter betätigen. Ein Drehknopf steuert die Drehzahl. Durch das Drehen des Propellers entfalten sich die Propellerblätter. Der Motor läuft sofort und es gibt keinen Höhenverlust durch das Starten des Motors. Ein Display zeigt den Ladezustand der Batterie an. Vom Boden aus hört man den Motor kaum. Durch Umlegen eines Schalters wird der Motor ausgeschaltet. Die Propellerblätter fahren dann automatisch zurück in den Rumpf und Magnete im Rumpf und im Propeller halten sie in Position. Einfacher geht es fast nicht mehr.

Link: https://youtu.be/_enq_1WGtG8

Außenlandung, wenn der Motor nicht funktioniert!

Sowohl beim Eigenstarter als auch bei Turbos solltest du immer davon ausgehen, dass der Motor nicht funktionieren kann. Du solltest immer ein geeignetes Landefeld in Reichweite haben und dich nicht auf den Motor verlassen. Wie beim Fliegen ohne Motor musst du zuerst ein geeignetes Landefeld finden und erst dann das Verfahren zum Starten des Motors einleiten. Beim Überlandflug mit einem Turbo- oder Selbststarter folgt man dem Entscheidungstrichter genauso wie beim Fliegen ohne Motorhilfe (vgl. Kapitel 6.5).

Der Entscheidungstrichter

Abb. 6.2.4 11 EntscheidungstrichterAbb. 6.2.3.12  Entscheidungstrichter

700 m: geeignete Landeflächen suchen (Bodenorientierte Phase)

Wenn du im oberen Teil des Trichters fliegst, nimmst du Kurs auf ein Gebiet mit möglichen geeigneten Landefeldern. Du suchst weiter nach Thermik, aber es müssen geeignete Landefelder vorhanden sein, also fliege nicht weiter mitten über einer Stadt! In dieser Phase solltest du festlegen:

  • die Windrichtung,
  • die Windstärke,
  • wo geeignete Landefelder vorhanden sind und welche in die engere Wahl kommen können.

500 m: Landefeldauswahl (Landefeldorientierte Phase)

In diesem Teil des Trichters ist dein Suchraum für Thermik begrenzt, genau wie nach einem Windenstart am Flugplatz. Du triffst nun die folgenden Entscheidungen:

  • Auswahl des Landefelds,
  • Landeeinteilung (Platzrunde) festlegen.

300 m: Landeentscheidung (Landephase)

Wenn du keinen Thermikbart findest und auf 300 m gesunken bist, triffst du die endgültige Entscheidung zur Landung. Du richtest deine ganze Aufmerksamkeit darauf, eine gute Landung zu machen und achtest nicht mehr auf mögliche Thermik. Wähle das Beste der möglichen Felder aus und achte darauf, dass du dieses Feld nicht wieder aus den Augen verlierst. Also:

  • Landeentscheidung,
  • Platzrunde sauber fliegen.

Die Höhen des Entscheidungstrichters sind natürlich nicht absolut. Über einem großen Stadtgebiet oder einem ausgedehnten Waldgebiet mit sehr wenigen Möglichkeiten für Außenlandungen wirst du eher nach geeigneten Landefeldern suchen als über einem Gebiet mit lauter frisch gemähten Getreidefeldern.

Segelflugpiloten mit Eigenstarter oder Heimweghilfe starten den Motor oberhalb von 300 m. Bei einer Höhe von 300 m am Außenlandefeld muss der Motor laufen und die volle Leistung bringen, sonst folgt eine gut vorbereitete Außenlandung. Bereite dich auf eine Außenlandung in gleicher Weise vor wie auf eine Außenlandung im reinen Segelflugzeug ohne Motor. Gehe davon aus, dass der Motor nicht funktioniert und du eine Außenlandung machen musst. Lege das Außenlandfeld fest. Fliege so, als ob du dort eine Außenlandung machen wirst, es sei denn, der Motor funktioniert einwandfrei.

neu 6 Außenlande Platzrunde Turbo

Abb. 6.2.3.13  Außenlandeverfahren mit Motorsegler

  1. Der Motor wird erst in einer Höhe und in einer Position ausgefahren und gestartet, in der du sicher landen kannst. Du musst das Verfahren zum Starten des Motors auswendig kennen.
  1. Es gibt zwei Möglichkeiten: Der Motor startet nicht (oder läuft nicht gut) und der Motor startet und läuft gut.
  1. Wenn der Motor anspringt und gut läuft, musst du während des Steigfluges damit rechnen, dass er jeden Moment aussetzen kann. Die Flugbahn bei laufendem Motor muss so gewählt werden, dass du auch bei stillstehendem - nicht laufendem - Motor eine sichere Landung durchführen kannst. Wähle eine Route gegen den Wind, dies hilft dir, nicht zu weit von deinem möglichen Außenlandefeld wegzufliegen.
  1. Wenn der Motor nicht startet oder schlecht läuft, dann: Fliegen, Navigieren, Kommunizieren (engl.: AVIATE, NAVIGATE, COMMUNICATE).
  • Fliegen: Das erste, worauf du dich konzentrieren solltest, ist das Fliegen mit der richtigen Geschwindigkeit. Bei ausgefahrenem Motor sind Überziehsignale deutlich weniger auffällig.
  • Navigieren: Als nächstes behältst du das Landefeld genau im Auge. Danach prüfst du, ob du genügend Höhe für einen zweiten Versuch hast, den Motor zu starten. Den letzten Startversuch kannst du in ca. 300 m über dem Außenlandefeld probieren. Fahre nach Möglichkeit den Motor ein, gelingt das nicht, oder hast du ein System das zeitaufwendig ist, solltest du die Position höher anfliegen, bzw. dich auf eine etwas kürzere Platzrunde einstellen, da du erhöhtes Sinken hast. Danach, noch vor dem Anflug an die Position richtest du deine gesamte Aufmerksamkeit auf die Landung.
  • Kommunizieren: Wenn du noch etwas Zeit hast, kannst du über Funk ankündigen, dass der Motor nicht funktioniert und du eine Außenlandung machen wirst, aber ein solcher Funkruf darf nicht auf Kosten einer guten Landung gehen.