3.  SEGELFLIEGEN IST MEHR ALS TECHNIK

GEFÜHL BEIM FLIEGEN
Fliegen zu erlernen, bedeutet mehr, als sich flugtechnisches Wissen anzueignen. Mit der Zeit erhöht sich dein Selbstvertrauen und du wirst ein Gespür für deine Umgebung und dein Segelflugzeug entwickeln, dein Fluggefühl. Wenn du mit Segelfliegen anfängst, hast du einen Fluglehrer hinter dir sitzen, der dir Sicherheit gibt und dir hilft, wenn du etwas falsch machst. Er sorgt dafür, dass der Flug sicher verläuft, und du wieder gut am Boden ankommst.

In zunehmendem Maße wird er dir das Steuern überlassen, und du baust deine eigenen Fähigkeiten aus. Zu Anfang ist dein Selbstvertrauen vielleicht noch klein. Sobald etwas Unerwartetes passiert, bist du möglicherweise an deiner Grenze und weißt noch nicht, was zu tun ist. Bei der Landung können dich z. B. Turbulenz, Seitenwind, oder ein anderes Flugzeug vor dir im Anflug oder in der Landebahn überfordern. Dein Gehirn wird mit so vielen Informationen gefüttert, dass du sie nicht mehr verarbeiten kannst, obwohl du gerade jetzt schnell und richtig reagieren musst. Dein Fluglehrer wird dich in solchen Situationen unterstützen.

VISUALISIEREN, GUT VORBEREITEN 
Schau dir vor deinen geplanten Schulstarts mal an, wie die anderen starten und landen. Erkundige dich rechtzeitig, was und wer heute an der Reihe ist. Setze dich, wenn es geht, frühzeitig in deinen Sitz und sorge dafür, dass du bequem und gerade sitzt.
Lass den Flug schon mal in Gedanken an dir vorbeiziehen und stelle dir jede Phase des Fluges vor: Start, Flugübungen, Platzrunde und Landung. Dann hast du gedanklich durchgespielt, was gleich ablaufen wird. Du fliegst entspannter und hast den Kopf frei für das, was du gerade machen willst.
Vielleicht hast du schon mal gesehen, wie sich Kunstflugpiloten vor dem Start mit ausgestreckten Armen, seltsamen Schritten und Kopfbewegungen vorbereiten. Dieses ungewöhnliche Ballett ist Visualisierung. Sie spielen vor dem Start den ganzen Flug durch.
Also: den ganzen Flug vorher im Kopf visualisieren. Das kannst du sogar zu Hause. In der Luft dann den Flug genießen, üben und hinterher noch mal erörtern. Am Anfang der Ausbildung kannst du zumindest die durchgeführten Übungen durchdenken.
Der Startcheck wird normalerweise durchgeführt, nachdem die Haube geschlossen ist. Er ist die letzte Möglichkeit, vor dem Anziehen des Schleppseils einen Fehler oder Defekt festzustellen.

VIEL ÜBEN
Fliegen ist nicht so einfach wie zum Beispiel das Radfahren und erfordert mehr Konzentration und Übung. Wenn du unvorbereitet und hastig einsteigst und während des Fluges erst merkst, dass du doch nicht bequem sitzt, ein Instrument nicht so anzeigt wie es soll, irgendwo ein seltsames Geräusch herkommt, von dem du dich ablenken lässt, und zusätzlich die Landung nicht gut gelingt, dann hast du keine gute Erinnerung an diesen Flug. In Wirklichkeit war es gar nicht so schlimm, aber es fehlte das richtige Wohlgefühl.

Hierauf gibt es nur eine Antwort: Viel Üben! Und zwar nicht nur bei schönem Wetter, sondern mit zunehmenden Können auch mal bei schwierigen Wetterlagen. Je mehr unterschiedliche Situationen du erlebst, desto besser kannst du reagieren. Du fühlst dich beim Fliegen wohl, weil du nicht befürchten musst, häufig von unvorhergesehenen Ereignissen überrascht zu werden. Die Bausteine dazu sind Erfahrung und ein Vorrat an Problemlösungen: Wenn A nicht geht, dann nehme ich B, und wenn auch das nicht funktioniert, habe ich immer noch C.

NICHT AUFGEBEN
Das Fliegen lernen ist ein Auf und Ab, jeder lernt anders. Du meinst, nun könntest du fliegen, und auf einmal gelingt es wieder nicht. Auch wenn du bald alleine fliegst, machst du noch Fehler. Dies passiert auch erfahrenen Piloten. Hier bist du nicht der Einzige. Niemand fliegt fehlerlos. Es gibt Phasen, da gelingt dir alles und dann wieder machst du einen Flug, den du lieber schnell wieder vergessen möchtest.
Irgendwann lernst du, wie du die Thermik findest. Dann bleibst du plötzlich eine Stunde oben, während andere nach fünf Minuten wieder unten sind.

  
 
Los geht's!  Steig ein. Viel Erfolg!