6.7  Notverfahren

Dieser Abschnitt über Notverfahren ist unterteilt in:

  Notverfahren bei Start- und Landevorgängen

  • Notverfahren bei Seilriss im Windenstart
  • Notverfahren Schlepp-Landung
  • Seilriss im F-Schlepp
  • Übersteigen des Schleppflugzeugs

•  Wetterbedingte Notfälle

•  Ausleiten Trudeln

•  Technisches Versagen

 

6.7.1  Notverfahren bei Start- und Landevorgängen

Notverfahren bei Seilriss, Leistungsabfall der Winde, ausklinken wegen gefährlich hoher Geschwindigkeiten

Notverfahren bei Seilriss

Ziel der Übung: Überprüfung der richtigen Reaktion auf einen unerwarteten Seilriss. 

Der Segelfluglehrer klinkt das Segelflugzeug bei der in der Übung gewünschten Höhe aus und erwartet folgende Reaktion: 

  • Zügig nachdrücken, deutlich mehr als in normaler Fluglage und mit Landegeschwindigkeit fliegen; unkontrolliertes, hastiges Nachdrücken vermeiden; Vorsicht bei der Betätigung der Luftbremsen
  • 3 x nachklinken, aktuell geflogene Geschwindigkeit prüfenund laut vorsagen
  • Nachdenken und Landeverfahren festlegen
    • Bei einem Seilriss in geringer Höhe: geradeaus landen.
    • Bei einem Seilriss oberhalb von ca. 100 m AGL:
    • Wenn das Seil in größerer Höhe reißt: Überprüfe die Höhe und fliege eine verkürzte Platzrunde
Abb. 6.7.1.1  Seilriss im Windenstart

Eine Startunterbrechung kann verschiedene Ursachen haben:

  • Windenschleppseil wird überbeansprucht und reißt. Das ist der klassische Seilriss
  • Sollbruchstelle bricht bei Überlastung
  • Schleppleistung der Winde lässt nach
  • Du klinkst wegen gefährlich hoher Geschwindigkeiten aus

Die möglichen Notverfahren werden während der Ausbildung mehrfach geübt, damit du bei einer Startunterbrechung die erforderlichen Maßnahmen durchführen und sicher landen kannst. Du darfst nie hastig und unkontrolliert reagieren.

Jeder Alleinflieger erlebt irgendwann einmal einen Seilriss oder Sollbruchstellen-Bruch. Deshalb ist das zugehörige Notverfahren ein verpflichtender Bestandteil der Ausbildung vor dem ersten Alleinflug. 

Es gibt je nach erreichter Flughöhe, Platzverhältnissen und Wetterbedingungen unterschiedliche Möglichkeiten:

  • Geradeauslandung
  • Umkehrkurve, Landeoval oder Vollkreis
  • Platzrunde (ggf. verkürzt)
  • Außenlandung

Abhängig von lokalen Bedingungen gibt es in unmittelbarer Platznähe mitunter Außenlandemöglichkeiten, die mit wenigen Richtungsänderungen und aus geringer Höhe sicher erreichbar sind. Du kannst diese Möglichkeiten aus Sicherheitsgründen ebenfalls nutzen. Dein Segelfluglehrer wird dich hierzu einweisen.

Prüfe vor jedem Flug, insbesondere auf einem unbekannten Flugplatz, wo du Platz zum Landen hast für den Fall, dass du einen Seilriss bekommst. 

Die erste Maßnahme bei Seilriss ist immer die Einnahme einer angepassten Längsneigung (Nachdrücken), die zu einer sicheren Fluggeschwindigkeit führt. Du drückst deutlich mehr als in normale Fluglage. Vermeide unkontrolliertes, hastiges Nachdrücken. Vorsicht bei der Betätigung der Luftbremsen!

Sage dir und deinem Segelfluglehrer bei einer Startunterbrechung die aktuelle Geschwindigkeit und das von dir vorgesehene Startabbruch- und Landeverfahren laut vor. So lernst du immer richtig zu reagieren, und es fällt dir leichter, diese kritische Phase zu meistern. 

Bei Seitenwind kurvst du nach dem Seilriss, wenn möglich, mit dem Wind weg und beendest die (verkürzte) Platzrunde mit einer Landekurve gegen den Wind.

Merke (die drei N):

  • Nachdrücken (Landeanfluggeschwindigkeit), unkontrolliertes, hastiges Nachdrücken vermeiden; Vorsicht bei der Betätigung der Luftbremsen
  • Nachklinken (dreimal ausklinken), aktuell geflogene Geschwindigkeit prüfen und laut vorsagen. 
    Vergiss nicht, auszuklinken, da du sonst mit einem Stück Seil herumfliegen könntest.
  • Nachdenken (Startabbruch- und Landeverfahren festlegen, aktuelle Geschwindigkeit und das von dir vorgesehene Verfahren laut vorsagen)

Verhalten bei Startunterbrechung (siehe Zeichnung): 

Seilriss unterhalb 100 m AGL: 

      nachdrücken, 3 x nachklinken, nachdenken,  und Landung voraus in oder neben der Windenstrecke
Abb. 6.7.1 2 unter 100 m
Abb. 6.7.1.2  Seilriss unterhakb 100m

Seilriss im kritischen Bereich um 100 m AGL:

       nachdrücken, 3 x nachklinken, nachdenken, und, abhängig von kritischen Gegebenheiten 

        (Platzlänge, Wirkung Luftbremsen, Wind, Außenlandemöglichkeiten)

    • Landung geradeaus 
    • Landung gegen die Startrichtung 
    • Landung quer zur Startrichtung 
    • Landung nach verkürzte Platzrunde 
    • Landung außerhalb Flugplatz
Abb. 6.7.1 3 kritischer Bereich
Abb. 6.7.1.3  Seilriss im kritischen Bereich

Seilriss über 100 m AGL:

nachdrücken, 3 x nachklinken, nachdenken, Positionsbestimmung und Entscheidung zum Landeverfahren. 
In der Regel landest du über eine (verkürzte) Platzrunde auf den Landefeld. 
Wenn sich herausstellt, dass du nicht hoch genug bist, um über eine verkürzte Platzrunde auf dem Landefeld zu landen, drehe früher ein und lande zwischen dem Startpunkt und der Winde.

Die Entscheidungs-Höhen für Variante 1, 2 oder 3 sind ca.-Angaben und überlappend sowie auch abhängig von

  • Platzlänge und -breite,
  • Windverhältnissen, 
  • Schleppverlauf etc.)

Abb. 6.7.1 4 über 100 m
Abb. 6.7.1.4  Seilriss über 100m

Notverfahren bei Leistungsabfall der Winde, Ausklinken wegen gefährlich hoher Geschwindigkeiten:

Verhalten wie bei Seilriss

Kapp-Vorrichtung

An der Winde befindet sich eine Kapp-Vorrichtung. Wenn sich das Seil beim Ausklinken, auch nach  mehrfachen Versuchen des Piloten, nicht von der Kupplung löst, kappt der Windenfahrer das Seil. 

Du fliegst dann weiträumige Kreise über einem offenen Teil des Platzes und landest mit einem Stück Seil am Segelflugzeug. Wegen des Gewichts des Seiles musst du ca. 20 km/h schneller fliegen. 
Eine solche Kapp-Vorrichtung ist eine Sicherheitsmaßnahme für etwas, das glücklicherweise so gut wie nie vorkommt.

Notverfahren-Schlepplandung

Signale im Luftfahrzeugschlepp

 Schleppflugzeug bewegt Seitenruder hin und her: 

  • Luftbremsen Segelflugzeug nicht eingefahren

Schleppflugzeug wackelt mit den Flügeln: 

  • Schleppseil ausklinken

Verhalten im F-Schlepp

im absteigenden Schleppflug:

  • Halte die richtige Position hinter dem Schleppflugzeug;
  • Luftbremsen ein wenig ausfahren 

Bei Seilriss des Schleppseils:

  • Seil-Rest ausklinken, wenn möglich über dem Flugplatz nach Funkinformation

Bei Übersteigen des Schleppflugzeugs:

  • Seil Ausklinken

Notverfahren bei Abbruch eines Luftfahrzeugschleppvorganges

Jeder Pilot erlebt einen Seilriss während eines Windenstarts, aber ein abgebrochener F-Schlepp ist eine große Ausnahme. Wenn der Flugzeug-Schleppvorgang abgebrochen wird, z.B. durch einen Seilriss des Schleppseils oder durch eine Störung an der Schleppmaschine, gehst du wie folgt vor:

  • während des Rollens: 
    Wenn das Schleppflugzeug eine Störung hat, steuert das Segelflugzeug nach rechts und das Schleppflugzeug steuert nach links. 
    Seil ausklinken.
  • Achte während eines Schlepps auf geeignete Landeflächen in der Nähe des Flugplatzes.
  • Abbruch des Schlepps unter ca. 100 m AGL: 
    Versuche eine Geradeauslandung auf einem Feld oder einer Wiese in Startrichtung.
  • Abbruch des Schlepps oberhalb von ca. 100 m AGL: 
    Schätze ab, ob du es bis zum Flugplatz schaffen kannst. Mit 100 Höhen-Metern kann ein Segelflugzeug einige Kilometer zurücklegen. Wenn es machbar erscheint, lande das Segelflugzeug irgendwo auf dem Flugplatz. Entscheide dich rechtzeitig, wenn du der Entfernung und deiner Höhe nicht traust und lande außerhalb des Flugplatzes gegen den Wind.

Warnsignale des Schlepppiloten

Heutzutage haben die meisten Schleppflugzeuge und Segelflugzeuge ein Funkgerät. Wenn etwas nicht in Ordnung ist, kann es sofort gemeldet werden. 

Wenn kein Funkkontakt besteht und der Schlepppilot z.B. feststellt, dass deine Luftbremsen ausgefahren sind, bewegt er das Seitenruder in schneller Folge hin und her. Dies ist das Zeichen, dass etwas mit deinem Segelflugzeug nicht stimmt.

Wenn das Schleppflugzeug in ungewohnter Höhe mit den Flächen zu wackeln beginnt (nicht zufällig ein wenig durch Turbulenzen), klinke sofort aus. Wenn dies in einer Höhe unter 75 Metern geschieht, lande irgendwo gegen den Wind.

Das Seil läßt sich nicht ausklinken

Wenn Du nicht ausklinken kannst, melde dem Schlepppiloten dies über Funk oder mache Rollbewegungen mit den Flügeln (wackeln) und fahre die Klappen aus, um dem Schlepppiloten deutlich zu machen, dass das Seil nicht ausklinken will. Der Schlepppilot schleppt dich dann in einer Schlepp-Landung zurück zum Flugplatz und klinkt dich knapp über dem Boden aus.

Schlepp-Landung

Bei einer Schlepp-Landung muss das Segelflugzeug die Luftbremsen benutzen, um hinter der Schleppmaschine in der richtigen Höhe zu bleiben und das Schleppseil straff zu halten. 
Du musst während des gesamten Sinkfluges angepasst die Luftbremsen einsetzen. Normalerweise ist ein viertel Ausfahren der Luftbremsen mehr als genug, und wenn du zu stark sinkst, solltest du die Luftbremsen einfahren. Du solltest die Luftbremsen nicht mehr als nötig verwenden. Bei Schlepp-Landung bringt dich das Schleppflugzeug zurück zum Ausgangspunkt. Du fliegst auf der gleichen Höhe wie das Schleppflugzeug oder etwas niedriger, aber nur knapp über dem Propellerwirbeln. Da das Schleppflugzeug mit geringer Motorleistung fliegt, wirst du von den Propellerwirbeln nicht viel merken. 

Tief über dem Boden kann der Schlepppilot das Seil ausklinken oder kappen. Wird gemeinsam gelandet, muss das Segelflugzeug zuerst aufsetzen und mit der Radbremse das Schleppseil gestrafft halten. Wichtig ist, dass das Aufsetzen nicht zu früh erfolgt, da sonst das Schleppflugzeug u.U. zu stark abgebremst wird und eine harte Landung macht. 

 

Abb. 6.7.1 5 Schlepplandung

Abb. 6.7.1.5  Schlepp-Landung (Beachte die leicht geöffneten Luftbremsen des Doppelsitzers)

 

Abb. 6.7.1 6 Schlepplandung Durchstarten

Abb. 6.7.1.6  Schlepp-Landeübung

Falls im Rahmen einer Schlepplandeübung nicht gelandet sondern durchgestartet werden soll, fahre nach Erreichen des tiefsten Punktes im Anflug zum Durchstarten die Luftbremsen wieder ein.

 

Seilriss im Luftfahrzeugschlepp

Hat der Schlepppilot vor dem Segelflugzeug-Piloten ausgeklinkt oder ist das Seil gerissen, so darf der Pilot das Seil bzw. den Seil-Rest nicht planlos abwerfen. Der Abwurf soll über dem Flugplatz oder freiem Gelände erfolgen. Bei Flughöhen unter 100 Meter über Grund ist das Seil sofort abzuwerfen.

 

Übersteigen des Schleppflugzeugs

Übersteigt das Segelflugzeug aufgrund von Turbulenzen, oder weil dessen Pilot zu spät reagiert, soweit das Schleppflugzeug, dass dieses nicht mehr zu sehen ist (1), muss das Segelflugzeug sofort ausklinken. 
Wenn dies nicht möglich ist, weil das Schleppseil zu fest sitzt, dann klinke mehrmals aus (2). In einer solchen Situation wird der Schlepppilot ebenfalls versuchen, auszuklinken, weil sein Schleppflugzeug unkontrollierbar geworden ist.

Abb. 6.7.4 1 Übersteigen des Schleppflugzeugs

Abb. 6.7.1.7  Übersteigen des Schlepp-Flugzeuges

 

6.7.2  Wetterbedingte Notfälle

Wetterbedingte Notfälle können jederzeit auftreten. Oft werden auch erfahrene Piloten von "Unwettern" überrascht.

Das Flugverhalten deines Segelflugzeugs ändert sich durch den Einfluß von Regen, Schnee und Eis. Die Strömung am Tragflügel reißt früher ab, das Abkippverhalten wird aggressiver und die die Trudelneigung steigt. Instrumente können ausfallen oder zeigen nicht mehr genau an. Auch wird beim Fliegen in starken Turbulenzen (z.B. Gewitter) die Struktur deines Segelflugzeugs sehr stark belastet. Dein eigenes fliegerisches Können kann sehr schnell an die Grenzen deiner Leistungsfähigkeit gehen. Mehr über wetterbedingte Gefahren findest du im Kapitel 3 Meteorologie (3.9 Wetterbedingte Gefahren für die Luftfahrt).

Besteht die Gefahr, dass ein wetterbedingter Notfall eintreten könnte, versuche rechtzeitig Schutz auf deinem oder einem nahegelegenen Flugplatz zu finden. Auf alle Fälle solltest du eine Sicherheitslandung in Betracht ziehen. Auch ist eine Außenlandung dem Einflug in schlechtes Wetter immer vorzuziehen. Mehr hierzu findest du in diesem Kapitel unter dem Punkt 6.5 Außenlandung.

 

6.7.3  Ausleiten Trudeln

  • Lerne, die Signale, die einem Trudeln vorausgehen, richtig zu erkennen, so dass ein ungewolltes Trudeln nicht auftritt.
  • Lerne den Strömungsabriss und die Wiederherstellung der Normalfluglage aus einem beginnenden Trudeln kennen
  • Lerne das Vermeiden von Trudeln kennen
  • Es darf nur bei ausreichender Höhe (nicht unterhalb 1000m über Grund) und nicht über bebautem Gebiet oder einer Menschenmenge Trudeln geübt werden.

Trudel-Verhalten und Ausleit-Prozedur sind bei jedem Segelflugzeugtyp unterschiedlich. Lese daher vor der Trudel-Übung das Flughandbuch des Segelflugzeugtyps durch, auf dem die Übung stattfindet.

 

6.6.4 1 Trudeln

Abb. 6.7.3.1  Trudeln

Die Trudel-Übung wird mit einem Segelfluglehrer in einem Doppelsitzer durchgeführt.

Nur dein Segelfluglehrer ist berechtig das Trudeln zu Ausbildungszwecken absichtlich einzuleiten.

  • Bei einem Horizontalflug mit normaler Geschwindigkeit (innerhalb des grünen Bereiches) und normaler Lastigkeit (Fluggewichtsschwerpunkt und Zuladung innerhalb der zulässigen Grenzen) wird kein Segelflugzeug „einfach“ ins Trudeln gehen. Ein Trudeln kann jedoch ungewollt auftreten, wenn: 
  • die Geschwindigkeit zu niedrig ist 
  • bei niedriger Geschwindigkeit insbesondere eine Schiebe-Kurve geflogen wird (zu viel Seitenruder in Kurvenrichtung)
  • beim Schiebe-Flug und durch Insekten, Regen, Querruderschlag oder infolge von Turbulenzen die Strömung an einem Flügel abreißt.

Sobald an einem Flügel die Strömung ganz oder teilweise abreißt, steigt der Luftwiderstand dieses Flügels deutlich an. Dies führt zu einer Drehung um die Hochachse (Gieren) in Richtung des Flügels mit dem Strömungsabriss.

Die Folge ist, dass die Geschwindigkeit dieses Flügels noch mehr abnimmt, der Flügel noch mehr überzogen wird und wegen des fehlenden bzw. geringeren Auftriebs nach unten kippt.

Wenn dieser Zustand nicht sofort ausgeleitet wird, dreht dein Segelflugzeug weiter in einer schraubenförmig vertikal geneigten Bahn wie ein Korkenzieher um die Hochachse nach unten. 

Zuerst führen wir die Sicherheitsmaßnahmen durch. Wir teilen diese vorgeschriebenen Maßnahmen in Handlungen innerhalb und Handlungen außerhalb des Segelflugzeugs ein. 

 Innen: 

  • keine losen Gegenstände im Cockpit
  • Gurte gestrafft 
  • Luftbremsen eingefahren und verriegelt und Trimmung auf normale Fluggeschwindigkeit eingestellt 

 Außen: 

  • Mache eine Links- und eine Rechtskurve von 180° oder einen Vollkreis, um zu sehen, dass der Luftraum frei ist undsich insbesondere keine Luftfahrzeuge unter dir befinden,
  • halte ausreichend Höhe ein,
  • nimm einen Orientierungspunkt.
  • Führe diese Übung nicht über einer Menschenansammlung oder über bebautem Gebiet durch. 

Die Trudel-Übung sollte nur in ausreichend Höhe (nicht unterhalb 1000m über Grund) durchgeführt werden. 
Bei einer kompletten Drehung verlierst du je nach Segelflugzeugtyp mehr als 80 m Höhe; hinzu kommt nach Beendigung der Drehung der Höhenverlust zum Aufbau von Geschwindigkeit und zum Abfangen. 

In 450 m Höhe über Grund muss sich das Segelflugzeug wieder in der normalen Fluglage befinden.

6.6.4 2 Trudeln

Abb. 6.7.3.2  Trudelablauf

Dein Segelfluglehrer leitet das Trudeln ein

  1. Das Segelflugzeug kippt über den Tragflügel ab und geht in eine drehende Bewegung nach unten.
  2. Der Flügel kippt weiter ab und der Luftwiderstand dieses Flügels nimmt weiter zu, so dass die Drehung aufrechterhalten wird.
  3. Die Segelflugzeugnase zeigt steil nach unten und der Boden scheint sich unter der Nase zu drehen. Du bekommst das Gefühl, ungebremst drehend herunter zufallen. 
  4. Du hast eine unzuverlässige Fahrtanzeige und sehr starkes Sinken.
  5. Bei ausreichender Höhe ist diese Situation aber ungefährlich und leicht zu beenden.

Trudeln ausleiten

Um ein Trudeln zu beenden, benutze das Seitenruder voll gegen die Drehrichtung. Lasse das Höhenruder nach (gebe dem Druck des Knüppels nach; nicht drücken) auf normal bis leicht gedrückt. Bei Beendigung der Drehbewegung des Segelflugzeugs Seitenruder auf normal stellen und weich abfangen.

Ein Trudeln wird wie folgt beendet:

  6. Tritt das Seitenruder voll entgegen der Drehrichtung;

  7. Lasse das Höhenruder nach (gebe dem Druck des Knüppels nach) bis in Neutralstellung (nicht xxxdrücken!!!); halte das Querruder neutral;

  8. Sobald die Drehung aufhört, nimm das Seitenruder auf Neutral und fange das Segelflugzeug      xxxaus dem Sturzflug weich ab.

Beachte:

Dies ist die Standardmethode, um ein Trudeln zu beenden. Die Trudeleigenschaften verschiedener Segelflugzeuge und die Art und Weise, wie das Trudeln ein- und ausgeleitet wird, können abweichen.
 
Bevor du ein dir unbekanntes Segelflugzeug fliegen möchtest, lies im Flughandbuch des Segelflugzeugs im Kapitel „Trudeln“ insbesondere nach, wie bei diesem Segelflugzeug das Trudeln ausgeleitet wird.

Mögliche Fehler beim Ausleiten des Trudelns:

  • Man ist versucht, mit dem Steuerknüppel den tieferen Flügel wieder horizontal zu bekommen. Aber das ist kontraproduktiv, weil die Luftströmung über den großen Teil dieses Flügels abgelöst ist und ein nach unten ausgeschlagenes Querruder den Anstellwinkel nur noch weiter vergrößert.
  • Man ist versucht, beim Ausleiten des Trudelns das Höhenruder zu drücken bzw. stark zu drücken. Das darf nicht geschehen wegen der großen Gefahr, dass das Segelflugzeug unmittelbar ins Rückentrudeln geht.

Trudeleigenschaften

Die Eigenschaften verschiedener Segelflugzeuge und die Art und Weise, wie du das Trudeln ausleitest, können abweichen. 

Manche Segelflugzeuge, besonders mit vorderer Schwerpunktlage (schwere Beladung in vorderen Sitz), trudeln nicht oder beenden das vom Segelfluglehrer eingeleitete Trudeln nach kurzer Zeit von selbst.

Wiederum gibt es doppelsitzige Segelflugzeuge die sehr trudelfreudig sind. Leider trifft das auch auf die Mehrzahl der Leistungs-Einsitzer zu.

Du darfst das Trudeln nicht mit einer Steilspirale verwechseln: 

  • Ein Trudelnist ein überzogener Flugzustand. Beim Trudeln ist deine Fahrt gering und die Kräfte auf das Segelflugzeug sind klein.
  • Bei der Steilspiraleliegt die Strömung an. Bei einer Steilspirale ist deine Fahrt hoch und die Kräfte auf das Segelflugzeug nehmen schnell zu.

Achte auf die Flugsituation, die das Trudeln ankündigt:

  • zu hohe Nase (zu langsam fliegen)
  • nachlässiger, unkoordinierter Kreisflug 

Nach dem Ausleiten des Trudelns (durch das Segelflugzeug selbst oder durch den Piloten) zeigt die Nase des Segelflugzeugs nach unten und es geht in einen Sturzflug. Das Ausleiten dieses Sturzflugs muss schnell, aber gleichzeitig vorsichtig erfolgen, um das Segelflugzeug nicht zu überlasten.

Das Entstehen von Trudeln in geringer Höhe

Bei einer Kurve in geringer Höhe, insbesondere in Bodennähe, neigst du dazu, diese Kurve mit hochgezogener Nase und, bezogen auf den Kurvenradius, mit zu geringer Querneigung auszuführen. 

In einer Kurve in Bodennähe scheinst du mit der kurven-inneren, tiefen Tragfläche bereits „den Boden zu kratzen“. Du gibst gefühlsmäßig zu wenig Querruder und „zwingst“ allein mit dem Seitenruder das Segelflugzeug um die Kurve. Der Faden zeigt nun auf den inneren Flügel (Schiebe-Kurve). Der innere, langsamere Tragflügel fliegt nun in den vom seitlich angeblasenen Rumpf erzeugten Turbulenzen. Wegen der geringen Höhe bist du zusätzlich geneigt, die Nase des Segelflugzeugs hochzuziehen. Damit wirst du unbemerkt langsamer.

Diese Kombination aus zu geringer Geschwindigkeit, unzureichender Querneigung und zu viel Seitenruder (Schiebeflug) in geringer Höhe ist lebensgefährlich. Wenn dann noch möglicherweise Turbulenzen, nasse Flügel oder Insekten hinzukommen, wirst du verstehen, warum es notwendig ist, sich dieser Trudelgefahr bewusst zu sein. Insbesondere in Bodennähe ist es wichtig, die Kurven sauber (Faden in der Mitte) und mit ausreichend Geschwindigkeit zu fliegen.

Trudeln vermeiden

Sobald du merkst, dass du dich dieser Situation näherst:

  • Seitenruder zurück, 
  • Steuerknüppel nach vorne und 
  • Geschwindigkeit aufnehmen. 

Vermeide tiefe Kurven! Aber wenn du doch eine Kurve in Bodennähe machen musst: 

  • Genügend Geschwindigkeit (mit häufiger Kontrolle) und 
  • genügend Querneigung!

 

6.7.4  Technisches Versagen

Notfälle bei technischem Versagen sind derzeit noch in Bearbeitung