2.3.1  Menschliche Informationsverarbeitung

Unsere Sinne (sehen, hören, schmecken, riechen und tasten) versorgen uns ständig mit Informationen. Beim menschlichen Informationsprozess geht es darum, wie wir diese Informationen aufnehmen und verarbeiten. Dabei spielen die Bereiche der Aufmerksamkeit, der Wahrnehmung, des Denkens, der Entscheidungsfindung und der Ausführung von Handlungen eine wichtige Rolle. Es geht auch um Gefühle, Emotionen, Absichten und Motivation. All diese Dinge in ihrer Gesamtheit bestimmen unser Handeln.

Wie sieht die menschliche Informationsverarbeitung in einem einfachen Diagramm aus?

Abb. 2.3.1.1 Informationsverarbeitung

Abb. 2.3.1.1  Informationsverarbeitung

Oben siehst du ein Modell des menschlichen Informationsprozesses.

Der Prozess beginnt durch die Aufnahme von Reizen unserer Sinnesorgane und deren Speicherung im sensorischen Gedächtnis. Durch den Filter der Aufmerksamkeit filtern wir die Informationen und bestimmen, was in die nächste Ebene übergeht: die bewusste Wahrnehmung. Wenn wir z.B. dem Thema Devisenkreislauf viel Aufmerksamkeit schenken müssen, hören wir nicht zu, was in der Zwischenzeit im Radio gesagt wird.

Das Kurzzeitgedächtnis (Arbeitsgedächtnis) ist der zentrale Prozessteil unseres Gehirns. Die zentrale Entscheidungsfindung verarbeitet die Wahrnehmung und wird durch das Langzeitgedächtnis (unsere Festplatte) unterstützt. Motorische Programme sind motorische Fähigkeiten und gespeicherte Handlungskonsequenzen, auf deren Grundlage wir eine Entscheidung oder einen Plan ausführen. Ein erfahrener Segelflieger macht viele Dinge im Unterbewusstsein. Das kostet ihn wenig Aufmerksamkeit. Ein Flugschüler muss diese Automatismen Schritt für Schritt erlernen. Lerne zuerst das Fliegen in der Höhe, dann das Starten und erst, wenn das gemeistert ist, das Landen.

Unsere Handlungen (Taten) haben Konsequenzen, die wir durch unseren Aufmerksamkeits-mechanismus beobachten. Über die Rückkopplungsleitung gelangt die Konsequenz zu den Sinnen, wir nehmen die Folgen wahr und führen eine neue Handlung aus.

Informationen werden an drei Stellen gespeichert. Im sensorischen Gedächtnis (einige Sekunden), im Kurzzeitgedächtnis (10 bis 15 Sekunden) und im Langzeitgedächtnis. Wir vergessen viel, erinnern uns aber an das, was zum Überleben wichtig ist. Wenn man ein paar tausend Landungen hinter sich hat, erinnert man sich immer an die Zeiten, in denen es nicht ganz geklappt hat.

Es gibt eine Menge Informationen, die von außen auf uns einströmen, aber unsere Fähigkeit zur Aufnahme ist begrenzt. Wir können nicht auf alles gleichzeitig achten und dabei speichern. Wir können eigentlich nur eine Sache gut machen und haben Schwierigkeiten, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Konzentriertes Thermikfliegen im Tiefflug und dabei mögliche Landeplätze im Auge zu behalten, verträgt sich nicht mit einer Unterhaltung über Funk. Entweder kreist Du in der  Thermik schlechter oder Deine die Kommunikation leidet.

Warum sind Beobachtungen subjektiv und welche Faktoren beeinflussen die Beobachtungen?

Zwei Menschen, die das Gleiche erleben, nehmen nicht das Gleiche wahr. Was wir sehen, hören und fühlen, verknüpfen wir mit dem, was wir zuvor erlebt haben. Wir filtern die Informationen nach dem, was unser Gehirn denkt, dass wir in diesem Moment brauchen. Jemand anderes mag eine andere Auswahl an Informationen treffen. Ein erfahrener Segelflieger sieht eher thermische Vögel, eine aufsteigende Wolke oder einen Flughafen in der Ferne, als ein unerfahrener Segelflieger. Wenn wir fliegen, können wir nicht allen Gesprächen im Funk folgen, aber wenn jemand unser Rufzeichen erwähnt, spitzen wir die Ohren. Wir sehen, was wir sehen wollen und hören, was wir hören wollen. 

Die Komponenten des zentralen Nervensystems.

Wir unterteilen das Nervensystem in:

  • zentrales Nervensystem
  • peripheres Nervensystem

Das zentrale Nervensystem bezieht sich auf das Gehirn und das Rückenmark. Die Nerven verbinden das zentrale Nervensystem mit allen Teilen des Körpers. Das periphere Nervensystem enthält die Nervenzellen, die zum und vom Rückenmark und dem Gehirn verlaufen.

Wie nehmen wir wahr und wie ist der Zusammenhang zwischen Sinnesreiz, Reizschwelle, Empfindlichkeit und Anpassung?

Wir nehmen mit unseren Sinnen alles das wahr, was eine bestimmte Schwelle überschreitet. Wir können nicht alles hören und sehen. Wir sehen schlechter als eine Katze und hören weniger als ein Hund. So hören wir keine sehr hohen Töne, und das leise Ticken einer Uhr in 6 Metern Entfernung nur noch in einer ruhigen Umgebung.

Welche grundlegenden Sinnestäuschungen must du kennen?

Wir sehen, was wir sehen wollen. Wir assoziieren das, was wir sehen, mit dem, was wir zuvor gesehen haben. Schau dir dieses Dreieck an.

Abb. 2.3.1.2 SinnestäuschungAbb. 2.3.1.2  Sinnestäuschung

Lies  jetzt Wort für Wort. Wahrscheinlich hast Du beim ersten Lesen das doppelte Wort nicht erkannt. Das Gelesene wird  im Kurzzeitgedächtnis (Arbeitsgedächtnis) abgelegt, wo es mit dem verglichen wird, was im Langzeitgedächtnis ist. Da Du den Sinn des Satzes schon erfasst hast, wurde das zweite Wort herausgefiltert, weil es nicht notwendig ist.

Abb. 2.3.1.3 SinnestäuschungAbb. 2.3.1.3  Sinnestäuschung

                                       Welche Linie ist die länger?
                                                                      Messe die Linien doch mal nach.

 

Abb. 2.3.1.4 SinnestäuschungAbb. 2.3.1.4  Sinnestäuschung

 

Abb. 2.3.1.5 SinnestäuschungAbb. 2.3.1.5  Sinnestäuschung