2.3.4  Einsicht und Entscheidungsfindung

Die meisten Handlungen und Entscheidungen, die wir ausführen oder treffen,  haben wir schon tausende Male zuvor gemacht - wir tun sie fast automatisch und es erfordert kaum Aufmerksamkeit. In neuen Situationen oder wenn unerwartet Probleme auftreten, müssen wir bewusst Entscheidungen treffen und brauchen dann unsere ganze Aufmerksamkeit und Kreativität, um das richtige zu tuen. Wir treffen Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen. Ein häufig verwendetes Modell zur Darstellung dieser Entscheidungen auf verschiedenen Ebenen ist das SRK-Modell von Rasmussen. Rasmussen unterscheidet drei Stufen der Leistung:

Skill-basierte Ebene

Skill-basiertes Verhalten basiert auf Fähigkeiten, die automatisch und routinemäßig ausgeführt werden. Das Lenken bleibt beim Radfahren unbemerkt. Beim Horizontalfliegen halte wir automatisch die Nase leicht unter dem Horizont, ohne bewusst darauf achten zu müssen. In der Zwischenzeit können wir unsere Aufmerksamkeit für andere Aufgaben nutzen. Dinge, die wir schon oft getan haben, tun wir, ohne darüber nachzudenken. Die Handlungen unterbrechen wir durch zeitweilige Prüfungen – ergeben diese Fehler, gehen wir auf die regelbasierte Ebene über.

Regelbasierte Ebene

Die Regelebene. Das bewusste Ausführen von Vorgängen. Wenn die Ampel gelb wird, musst Du die Regeln bewusst anwenden. Kannst Du noch weiterfahren oder musst  Du anhalten? Du musst darauf achten, dass das Auto vor der Ampel zum Stehen kommt ohne dass das hinter Dir fahrende Auto auffährt. Wenn das Windenseil reißt, tun wir das, was wir schon oft geübt haben. Nachdrücken, nachklinken und nachdenken – d.h. das Flugzeug sicher landen auf dem Platz oder einem Außenlandefeld.

Wissensbasierte Ebene

Kreatives Denken und dessen Umsetzung in die Praxis. Wenn während des Fluges ein neues Problem auftritt, müssen wir uns eine neue Lösung überlegen. Nehmen wir an, dass während des Fluges eine Bremsklappe unbeabsichtigt ausfährt, weil sie nicht richtig angeschlossen ist. Wir müssen dann die Situation analysieren, die Ursache klären, Folgen abschätzen und Lösungen suchen.

Abb. 2.3.4.1 HandlungsebenenAbb. 2.3.4.1 Handlungsebenen

Um das Segelfliegen zu erlernen, beginnst Du auf der wissensbasierten Ebene. Alles ist neu und es gibt noch keine Routinen. Der Fluglehrer darf Dich nicht zu viel auf einmal machen lassen, um Dich nicht zu überlasten. Nach einigen Flugstunden werden viele Handlungen schon in die regelbasierte Stufe aufsteigen. Vieles machst Du bereits automatisch. Nur was neu ist, zum Beispiel der letzte Teil des Landeanfluges, erfordert bewusste Aufmerksamkeit. Wer schon länger fliegt, macht schon viel mehr auf der Skill-Based-Ebene.
Auch hier in dieser Ebene treten Fehler auf.

Abb. 2.3.4.2 HandlungsebenenAbb. 2.3.4.2  Handlungsebenen

Ermüdung und Stress erhöhen die Wahrscheinlichkeit von Fehlern. Dies gilt insbesondere für die regelbasierte und wissensbasierte Ebene. Wenn du festgelegte Abläufe, wie z. B. das bewusste Durchführen von Landchecks, das Üben von Seilrissen, von Trudeln und dergleichen so oft übst, dass es automatisch wird und auf einem geübten Niveau ausgeführt wird, erhöhen du die Chance erheblich, diese Handlungen korrekt auszuführen, wenn ein Seilriss oder Strömungsabriss mit anschließenden Trudeln unerwartet auftritt.